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Umpah-Pah – Die Gesamtausgabe

Wir befinden uns im Jahr 1951, und die gesamte französische Presse ist von den amerikanischen Comics besetzt. Die ganze Presse? Ja! Und Albert Uderzo, von Kindesbeinen an ein leidenschaftlicher Leser der französischen Micky-Maus-Magazins und heute legendärer Serien wie Terry und die Piraten von Milton Caniff, hat nichts dagegen! Einige Jahre nach Kriegsende ist alles was über den Atlantik kommt Mode. Zum Beweis: Die beiden belgischen Firmen, für die der junge Zeichner damals arbeitet, haben angelsächsische Namen: International Press und World Press.

An einem Wintertag jenes Jahres 1951 stellt Albert Uderzo in aller Eile eine Seite seiner Serie Belloy fertig. Ein junger Mann wird zu ihm geschickt, um das Ergebnis seiner Arbeit abzuholen. Sein Chef hat ihm schon von diesem kleinen Neuen erzählt, ein gewisser René Goscinny. "Aha! Ist er italienischen Ursprungs?" fragt Albert. "Überhaupt nicht, sein Name endet mit "Y"!" und so begann vor demnächst 60 Jahren eine außerordentliche Freundschaft und Zusammenarbeit, die die Geschichte des Comicstrips völlig umgekrempelt hat.



Sehr schnell dachten sich die beiden Freunde eine erste gemeinsame Serie aus. René Goscinny verfasste das Szenario, während Albert Uderzo sich auf die Zeichnungen konzentrierte. So entstand Umpah-Pah, die Abenteuer einer Rothaut vom Stamme der Plattfüße, der noch keinen Kontakt zur amerikanischen Zivilisation der fünfziger Jahre hat. René Goscinny, der sich einige Monate lang in New York niedergelassen hatte, ließ die Texte von seinem Freund Harvey Kurtzmann, der später die berühmte satirische Zeitschrift Mad gründen sollte, übersetzen. Das Lettering übernahm der Letterer von Milton Caniff, den Albert Uderzo sehr bewunderte! Leider wurde die Serie zunächst nicht verlegt und schlummerte in den Schubladen beider Autoren...

Einige Jahre später, im Jahr 1958, gab die Zeitschrift Tintin (die Tim und Struppi in der französischsprachigen Welt abdruckte) bei den beiden Freunden eine neue Serie in Auftrag. Umpah-Pah, der den beiden besonders am Herzen lag, kam nun in einer neuen Version zurück. Dieses Mal ist er ein Mitglied des Stammes der Wascha-Wascha und lebt im 18. Jahrhundert zur Zeit der Kolonialisierung; er freundet sich mit dem edlen Hubert von Täne an, der am französischen Königshof aus- und eingeht. Die neue Formel ist reich an komischen Zutaten, die später den enormen Erfolg von Asterix ausmachen sollten, und funktioniert wunderbar. Innerhalb von 4 Jahren entstanden 5 Abenteuer mit je 30 Seiten, denen das Publikum mit großem Eifer folgte. Leider musste Albert Uderzo die Serie damals aufgeben, weil er durch die Arbeit an Asterix und Tanguy und Laverdure völlig überfordert war.

Anlässlich des sechzigsten Geburtstags der Begegnung von René Goscinny und Albert Uderzo werden die Abenteuer von Umpah-Pah im kommenden Oktober in einer einbändigen französischen Gesamtausgabe beim Verlag Les Editions Albert René herausgebracht. Yakyakyak, wie man bei den Wascha-Wascha sagt!

Als erste Figur, die sich die Asterix-Autoren ausgedacht haben, ist Umpah-Pah so etwas wie der große Bruder des berühmtesten aller Gallier. Die fünf Abenteuer, in denen er neben seinem Freund, dem französischen Kadetten Hubert von Täne die Hauptrolle spielt, enthalten schon alle komischen Ingredienzien, aus denen auch der humoristische Zaubertrank von Asterix besteht.

Die Komik der Wiederholungen, Wortspiele und Sprachspielereien, witzige Umformulierungen bekannter Lieder, Anrufungen von Göttern mit exotischen Namen, anachronistische kulturelle Bezüge (wie beispielsweise die Erfindung des Kaugummis!), eine humoristische Neufassung der Geschichte... Alles ist da drin! "In der Situationskomik, im Indianerdorf, im Wald, in den Schlachten, den Schlägereien, ist man schon ganz nah an Asterix", erklärt Albert Uderzo. "Allein dieser Name: Einzahn-der-ihm-ausgefallen-ist-und-nun-Keinzahn-heißt", der hieß früher mal nur kurz Einzahn; das ist ganz im Sinne von René Goscinny"1

1 Astérix & Cie… Entretiens avec Uderzo, Hachette, 2001

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